Als ich Freiberuflerin wurde und meinen Arbeitsort wählen konnte, hab ich ein kleines Experiment gewagt: Ich bin für eine Auszeit nach Sardinien gefahren und danach (erstmal) nicht wieder zurück gekommen. Habe gewartet, ob und wann jemand merkt, dass ich nicht 1.800 Meter, sondern 1.800 Kilometer entfernt sitze. Tatsächlich hat das mehrere Monate gedauert.

Seit mehreren Jahren ist mein remote office (neben meinem home office in Schleswig-Holstein) die wunderschöne Mittelmeerinsel Sardinien, die mich inspiriert und kreativ sein und arbeiten lässt.

Menschen mit so einem Leben nennt man »digital nomad« – auch wenn ich nur auf einer Insel herumstreife und nicht die ganze Welt bereise (Vorteil: kein Problem mit Zeitzonen).

Ich bin auf Sardinien aber nicht nur, weil es so schön ist: Ich habe hier eine kleine Mission zu erfüllen und eine zweite Aufgabe. Ich verfolge einige persönliche Projekte, die mich zeitlich und emotional binden. Sie haben mit Land-, Kultur- und Meeresschutz, aber auch immer wieder mit Schafen zu tun haben. Auch das Nomadentum ist in Sardinien nicht unbekannt: Sardinien beruht auf einer alten Hirtenkultur und die Schäfer waren lange Zeit halbnomadisch mit ihren Herden unterwegs. Schon seit uralten Zeiten.

Über die Landeskultur und die atemberaubend schöne Natur sowie über viele andere Dinge, die ich auf der Insel entdecke und erlebe, berichte ich auf meinem Sardinien-Reiseblog www.pecora-nera.eu – italienisch: schwarzes Schaf -, den ich 2010 ins Leben rief.

Lebensentscheidung: Bloggen

Der Blog hat sich seither zu einer der wichtigsten deutschsprachigen Seiten über Sardinien im ganzen Jahr gemausert – was mich mit Stolz und Zufriedenheit erfüllt.

Der Erfolg kommt nicht von ungefähr: So ein Blog ist nicht in fünf Minuten gemacht. Für mich war es eine Lebensentscheidung, zu der ich seit über zehn Jahren stehe. Ich stecke irre viel Arbeit, Ausdauer und Zeit in Themenplanung, Pflege, Content und Kommunikation (und bin damit quasi meine eigene Referenz).

Mein Alter Ego, das schwarze Schaf, blökt aus reiner Passion und tief empfundener Neugier und Zuneigung zur Insel. Alles ist selbst erlebt, erwandert, erfahren, erfuttert. Meine Geschichten erzählen von den kleinen, feinen Perlen und von den vielfach unbeachteten Teilen der Insel abseits des »St/r/andardtourismus«.

Als eines Tages der Redakteur und Filmemacher Marcus Groß, der viel für das ZDF arbeitet, anrief und meinte, er würde gern meine Geschichte als Reisebloggerin erzählen, einigten wir uns schnell darauf, dass auch die antike Schafrasse, das pecora nera di Arbus (Infos auf meinem Blog), Protagonist sein sollte.

Originalbeitrag in der ZDF Mediathek: https://www.zdf.de/nachrichten/hallo-deutschland/deutsche-reisebloggerin-auf-sardinien-100.html

Das Ergebnis seiner Arbeit ist ein sehr persönliches Portrait. Persönlicher als ich dachte. Aber das ist grad gut so. Denn wer mich kennenlernen will, ohne mich je getroffen zu haben, bekommt hier einen ehrlichen Eindruck.

Natürlich ist das nicht die ganze Geschichte gibt es noch sehr viel mehr zu erzählen – 10 Minuten sind dann doch kurz und reichen längst nicht für ein ganzes, buntes Leben. Aber die Welt muss ja auch nicht alles wissen 😉

Die Zusammenarbeit – vom Storyscouting über die Vorbereitung der Reise bis zu den mehrtägigen Dreharbeiten vor Ort – war sehr entspannt und professionell. Ich durfte schon bei der ein oder anderen TV-Dokumentation auf Sardinien mitwirken, und es war mir wie immer auch hier ein wahres Vergnügen, zu helfen, das »echte« Sardinien bekannt zu machen.

Und natürlich meinen Blog, denn Bekanntheit schadet als digitaler Nomade und Reiseblogger ja nicht.

»Kann man denn davon leben?« werde ich oft gefragt. Nein, aus mehreren Gründen ist der Blog nicht monetarisiert und bin ich kein megaverdienender Youtube-Star: 1. Ich will journalistisch unabhängig bleiben und schreiben können, was ich will. 2. Sardinien in der Nebensaison abseits des Üblichen ist eine Nische und ein relativ kleiner Markt. Ich habe mich bewusst dort positioniert, muss aber damit leben, dass er eben nicht vom Luxus-Sommer-VIP-Image, in dem sich natürlich auch gut bezahlte Influencer tummeln, profitiert. 3. Ich will weder meine Seele noch die der Insel verkaufen: Es gibt keine gekauften Fremdbeiträge auf dem Blog. Ich schreibe alles selbst. 4. Das Bloggen und Reisen auf der Insel ist für mich keine Arbeit, sondern Quality Time. Ein Sonntag im Supramonte lässt mich zwei Wochen Projektstress mit Leichtigkeit nehmen. Das ist mehr als Geld wert.

Gleichwohl gibt es ein bisschen Werbung und Affiliate Links, dort, wo es keinem weh tut und den Blog und seine Philosophie nicht stört.

Das Schöne: Es ist ein Reiseblog und ich komme immer wieder raus aus meinem Alltag. Aber auch das frisst Zeit, in der ich nichts verdiene, sondern eher nur ausgebe 😉

Bloggen neben dem Job

Meinen Job als Kommunikationsberaterin mache ich gern und mit meinen Kunden und im Netzwerk kann ich schöne Projekte bearbeiten. Trotzdem nehme ich mir mindestens einen Tag in der Woche, oder zwei-drei halbe Tage, an denen ich mich nur um das schwarze Schaf kümmere. Jeden Morgen zum Aufwachen kümmere ich mich eine halbe Stunde um die Social Media-Kanäle, der Rest ist zwischendurch „im Vorbeiflug“ machbar.

Das »schwarze Schaf« bleibt so frei und unabhängig, auch weil es – im Gegensatz zu mir – nicht gezwungen ist, Geld zu verdienen und dafür Kompromisse zu machen. Die ja nicht schlimm sind, so ist das Leben. Aber es ist halt schon cool, wenn man zu 100% frei ist.

Der Blog ist ein »side hustle«, das sich mal mehr, mal weniger selbst finanziert und mir selbst viele nette Begegnungen und ein Mehr an Lebensqualität beschert. Und der erfordert, dass ich viel auf Sardinien herum reise (gerade jetzt, wo ich mein zweites Sardinien-Reisebuch veröffentliche).

Zum Glück sind home office und remote work keine Fremdwörter mehr und ich kann nebenher arbeiten. Mein Arbeitsplatz ist da, wo ich eine Aufgabe gut erledigen kann. Das kann ein Büro sein, muss aber nicht. Ein kühler Platz, WLAN und Telefon reichen. Das lässt sich fast überall organisieren. Für Meetings und manche Projekte wird gereist (so klimaneutral wie irgend möglich) oder man trifft sich online. Das ist mit den meisten Unternehmen, für die ich arbeite, gut machbar. An dieser Stelle herzlichen Dank dafür!

Ich und mein Blog sind aber nichts wert ohne das, was die Insel im Kern ausmacht: die Natürlichkeit, die Menschen und ihr Gebundensein an das Land, an die Traditionen der Ahnen und an ewige Werte wie Arbeit, Freundschaft und Familie. Im Grunde erzähle ich ihre Geschichten.

Meine ist Dank meines Lebensglücks und einer Menge persönlicher Flexibilität und Spontaneität ein Teil davon geworden.

Freue mich darum umso mehr, dass jemand den Kreis schließt und nun meine schwarzschafige Story erzählt hat. Lieben Dank!

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