Wir – technisiert, digitalisiert und super vernetzt – sollen von staubigen Steinen lernen? Echt jetzt? Nachdem man sich erlaubte, eine Pandemie via Fax statt per App zu managen, denke ich: Ja. Zumal der Nuraghe an sich deutlich solider gebaut ist, als jede Demokratie. Aber ich schweife ab.

Nuraghen also. Für mich sind diese Bauwerke aus der Bronzezeit in Sachen Kommunikation und Branding ein gutes Beispiel, weil sie drei Dinge absolut richtig und perfekt machen.

Nicole auf einem Nuraghen. Was sind Nuraghen? Was ist ihre Geschichte? Und wie kommt man da oben rauf?
Nicole auf einem Nuraghen. Was sind Nuraghen? Was ist ihre Geschichte? Und wie kommt man da oben rauf?
  1. Sei besonders. Weltweit gibt es Nuraghen ausschließlich auf Sardinien. Sie gehören zum UNESCO-Welterbe der Menschheit. Ihre Bauweise konnte kaum nachgeahmt werden, die enormen Felsblöcke geben Stabilität, die Tholos-Struktur trägt sich selbst, ohne Lehm oder Mörtel. Und: Es gibt immer noch über 7.000 (in Worten: siebentausend) von ihnen. Auch das ist weltweit einzigartig. Nicht nur sagen, man sei „anders“. Vielmehr anders SEIN und klar benennen können, wie und warum – das ist hohe nuraghische Kommunikationskunst.
  2. Sei konstant. Seit über 3.000, manchmal 4.000 Jahren stehen die Nuraghen schon auf sardischem Boden. Im Laufe der Zeit wurden die Bauten perfektioniert, die Bauweise wurde akkurater und zeitgemäßer: Als die sardische Kultur sich weiter entwickelte und sich neben dem halbnomadischen Hirtentum auch der Handel im ganzen Mittelmeerraum entwickelte, baute man irgendwann statt nur einem auch mal drei, vier oder fünf Türme. Andere Nuraghen wurden für rituelle Zwecke von unterschiedlichen Kulturen über viele Jahrhunderte genutzt. Die Nuraghen sind und bleiben auf ewig mit Sardinien verbunden und haben ihren Zweck. Sie sind identitätsstiftend für ein ganzes Volk.
  3. Sei geheimnisvoll. Wer die Nuraghen sieht, kommt sofort ins Grübeln: Wer hat sie gebaut? Wozu sind sie da? Immer wieder wird den Nuraghen etwas Unerklärliches, Geheimnisvolles zugesprochen. Spannende Legenden und Geschichten ranken sich um sie, manche sind angeordnet wie Sternenbilder, manche so enorm, dass man glaubt, Riesen hätten sie gebaut. Archäologische Funde können nur in Ansätzen alles erklären. Das ist aber nicht schlimm: Forschen und Ordnen, Deuten und Denken macht das Leben aus – die Welt ist im Wandel und auch im Unternehmen verändert sie sich ständig. Die Nuraghen jedenfalls haben darum immer etwas Neues zu erzählen, obwohl sie so alt sind.

Ein Traum für jeden Brand Manager: Eine traditionelle Marke mit fest verankerten und substanziell guten Werten, die gekonnt den Zeitläufen angepasst wird und die aktuellen Entwicklungen reflektiert, ohne ihre Identität zu verlieren, sondern im Gegenteil: die daraus neue Geschichten formt und so auf jede Zukunft vorbereitet ist.

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